32 Elektroniker*innen erhalten ihr Wertpapier: Den Gesellenbrief.

27.01.2023, Stade, BBS 3. Die Innung für Elektrotechnik Stade lud zur Freisprechung ein und viele folgten. „Ihr seid nun für „da draußen“ verantwortlich. Gemeinsam müssen wir den Krisen-Karren aus dem Dreck ziehen,“ steigt Obermeister Olaf Roitsch provokant in die Veranstaltung ein. Und die 32 Absolvent*innen-Gesichter wissen vermutlich, genauso wie Festrednerin Melanie Reinecke, was Roitsch damit anspricht. „Wir benötigen junge, leistungsfähige Menschen, um unsere gemeinsame Zukunft zu gestalten,“ so die stellv. Bürgermeisterin der Hansestadt Stade und Landtagsabgeordnete. Vier der 32 Absolvent*innen haben diesen Abschluss mit besonders guter Leistung absolviert und dürfen sich „Jahrgangsbeste“ nennen.

Die vier Jahrgangsbesten 2023 der Ausbildung zum Elektroniker/-in Energie- und Gebäudetechnik bei der besonderen Ehrung mit Roitsch und Bösch. V.R. Obermeister Olaf Roitsch | Jesse Alexander Droste, Wischhafen, 19 Jahre alt, Karl-Meyer Energiesysteme GmbH Wischhafen | Luca Plötzky, Horneburg, 20 Jahre alt, NDB Elektrotechnik Stade |Niklas Kaczor, 21 Jahre alt, NDB Elektrotechnik Stade | Tim Meybohm, Stade, 19 Jahre alt, NDB Elektrotechnik Stade | Lehrlingswart Günter Bösch

Stillstehen heißt rückwärtsgehen - Wir brauchen Voranschreitende

Obermeister Olaf Roitsch führte mit seiner professionellen Leichtigkeit durch den Abend – immer mit Blick auf die Hauptakteure: „Nachdem Sie nun 3,5 Jahre über die Sinnhaftigkeit von Ohm und Ampere nachgedacht haben und ob Lux (Luchs) eine Großkatze im Harz sei, Stunden der Wissensaufnahme im Fluge vergingen, haben Sie nun Ihre Ausbildung abgeschlossen,“ begann Roitsch den Einstieg.  Jetzt komme es darauf an, Wissen zu festigen, da „Sie nun merken werden, wie sich Lücken auftun werden,“ mahnt der Obermeister. Stillstehen wäre gleichzusetzen mit Rückwärts gehen und das in vielen Bereichen des Lebens: „Wir brauchen Voranschreitende, ob im Beruf oder Ehrenamt – trauen Sie sich und nehmen Sie sich in die Verantwortung für Ihr Lebensumfeld,“ bittet er die jungen Absolvent*innen, aber auch die weiteren Gäste. Roitsch sei zuversichtlich, wenn er in die anwesenden Gesichter schaue, auch in Hinblick auf die heutigen herausfordernden Zeiten.

Bürgermeisterin, statt Bürgermeister: Reinecke sprang für erkrankten Hartlef ein.

Reinecke wünscht sich grüne Welle bis nach Hannover und dankt dem Erfinder des Föns.

Den Tag zu starten und dabei ganz bewusst ihr Augenmerk auf „all die technischen Geräte in meinem Alltag“ zu werfen – das hat die Landtagsabgeordnete getan und resümiert am Abend: „Die schiere Anzahl von elektronischen Geräten in unserer Welt nimmt immer mehr zu. Informations- und Kommunikationstechnik, aber auch die Energieerzeugung – diese Geräte werden vielfältiger und leistungsstärker.“ Es wundert sie nicht, dass die jungen Absolvent*innen sich genau diesen Beruf ausgewählt haben, denn sei diese Branche zukunftsträchtiger denn je. Deshalb sei es auch nach bestandener Prüfung so wichtig „Neues kennenzulernen. Denn in Ihrer Branche wird es immer wieder große Veränderungen und Neuerungen geben. Das ist aber nichts, wovor Sie Angst haben müssten.“

Reinecke nahm dann noch einen Abstecher über die Tradition der Elektrotechnik in Stade und ließ die Zuhörer wissen, dass ohne das Engagement von Lehrern, Ausbildern und Organisationen keine Ausbildung heute und früher möglichgemacht werden könne. „Wir Politiker wissen auch um den Wert und die Wichtigkeit, junge Menschen zu qualifizieren, das Resultat aber ist am Ende ein sehr gutes: Das sind Sie!“ Neben all dem richtet Reinecke noch den Blick auf eine Work-Life-Balance. Der Beruf müsse den Junggesell*innen Freude bringen und die Neugier in einem wecken. Sie bittet zum Schluss: „Halten Sie uns – dem Landkreis Stade – die Treue.“

Tradition bleibt Tradition: Freisprechung und Erhebung.

Lehrlingswart Günter Bösch nahm am Mikro Platz. „Das ist das Beste an meinem Job heute Abend. Ich darf Sie erstmal von den Pflichten des Azubitums freisprechen.“ Danach übergaben die Offiziellen die Gesellenbriefe und Zeugnisse an die ungeduldigen Absolvent*innen. „Jetzt sind sie nicht Fisch, nicht Fleisch – nicht vegan oder vegetarisch, scherzt Bösch und übergab an den Altgesellen Ralf Tesmer, der nun die traditionelle Aufgabe hatte, die jungen Wilden „In den Gesellenstand zu erheben – und damit sind Sie nun offiziell Gesell*innen.“ Zeitgleich verteilt Olaf Roitsch ein besonderes Geschenk an alle Absolvent*innen. Es gab für jeden Freikarten für den Musikladen Heinbockel. Bösch schlug dazu vor „Das Gute zu feiern und in Zukunft zu verbessern und das Schlechte abzuschütteln und zu vergessen,“ so Lehrlingswart Günter Bösch.

Portraits

In einer Männerdomäne durchgesetzt: Johanna mit Zukunftsvisionen

Johanna Jonker, Balje, 20 Jahre alt, Freudenberg GmbH + Co. KG, Drochtersen

Johanna ist der klassische „Apfel, der nicht weit vom Stamm fällt“. Ihr Vater ist im gleichen Gewerk, wie sie. Da wundert es nicht, „dass ich auch da lande, bei der Leidenschaft, mit der mein Vater den Beruf ausübt.“ Sie beschreibt ihren Beruf als abwechslungsreich, aufregend, aber manchmal auch etwas anstrengend. „Es gibt solche und solche Tage, in der Ausbildung hatte ich schon ab und an das Gefühl, mich gegen die Männer behaupten zu müssen. Das ist mir aber ganz gut gelungen,“ schmunzelt Johanna. Mit Mut und Zuversicht hat sie es zum Gesellenbrief geschafft und noch viel weiter. Nun will die 20-Jährige in ihrem Betrieb bleiben und sich auf Alarmanlagen spezialisieren: „Auch mit Blick auf den Handwerksmeister,“ beschreibt Johanna ihre Zukunftsvisionen.

Vier Jahrgangsbeste

#1 Faszinierend wie Dinge wirklich funktionieren. Niklas steigt jetzt ins Studium ein.

Niklas Kaczor, Wingst, 21 Jahre alt, NDB Elektrotechnik Stade

 

Niklas ist elektrisiert – und so beschreibt er auch seinen Beruf: „Abwechslungsreich, teilweise anstrengend, aber immer unter Strom“. Nach seiner Fachholschulreife mit der Fachrichtung „Technik“ führte ihn sein Gusto Richtung Elektrotechnik. Bei NDB Stade lernt er dann „Es ist faszinierend, wenn man aus der Theorie in die Praxis kommt und das erste Mal sieht, wie Dinge richtig funktionieren.“ Und die Praxis hat anscheinend so gut funktioniert, dass Niklas nun nach einiger Zeit als Geselle gemeinsam mit NDB Stade ins duale Studium startet.

#2 Wenn sich das frühe Aufstehen lohnt: Langweilig wird es für Tim nie.

Tim Meybohm, Stade, 19 Jahre alt, NDB Elektrotechnik Stade

Tim ist ins Handwerk „hineingeboren“: „Quais meine ganze Familie ist im Handwerk und teilweise im Elektrobereich tätig, so bin ich auch ins Handwerk gekommen.“ Nach seinem Realschulabschluss fängt Tim bei seinem Ausbildungsbetrieb an und muss sich erstmal ans frühe Aufstehen gewöhnen. „Der Beruf ist teilweise anstrengend, aber nur, weil er auch so vielfältig und interessant ist. Langweilig kann jeder“, scherzt der 19-Jährige. Mit dem Gesellenbrief in der Hand geht es für ihn nach einigen Monaten im Ausbildungsbetrieb noch auf ein Auslandsjahr und „danach schauen wir mal weiter.“ Seinem Ausbildungsbetrieb NDB will Tim aber treu bleiben – „auch, wenn man früh aufstehen muss 😉.“

#3 Rumsitzen ist nix mehr für ihn: Jesse ist jetzt immer in action.

Jesse Alexander Droste, Wischhafen, 19 Jahre alt, Karl-Meyer Energiesysteme GmbH Wischhafen.

Bei Jesse ist das Handwerk nicht weit entfernt – sein Vater als Tischler, sein Stiefvater als Landmaschinenmechatroniker – „Da war es naheliegend, dass ich was mit meinen Händen mache,“ so Jesse. Nach seinem erweiterten Realschulabschluss startete der Junggeselle in seine Ausbildung und musste sich erstmal einfinden im Berufsleben: „Nach zwei Monaten habe ich mich ans Arbeiten gewöhnt, der Alltag ist ein ganz anderer als das „Sitzen“ in der Schule.“ Heute könne Jesse aber gar nicht mehr anders, „heute brauche ich das, ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, nicht den ganzen Tag in Aktion zu sein.“ Sein Beruf ist für ihn innovativ, anspruchsvoll, aber auch super aufregend: Und aufregend geht es für ihn jetzt auch weiter „ich gehe jetzt für zwei Jahre in die Schweiz und schau mir mein Handwerk da mal an.“

#4 Herausforderung angenommen: Einfuxen in Großprojekte.

Luca Plötzky, Horneburg, 20 Jahre alt, NDB Elektrotechnik Stade

Luca hat seinen Ausbildungsbetrieb auf einer Ausbildungsmesse kennengelernt. „Das hat mir direkt so gut gefallen, dass ich mich auch gleich beworben habe,“ und damit hatte der ehemalige Realschüler seinen Vertrag in der Tasche. Seinen Beruf beschreibt Luca als innovativ, zukunftsweisend und vielseitig. „Besonders auf den Großbaustellen ist es eine besondere Herausforderung, sich am Anfang in ein neues Projekt einzufuxen.“ Diese Herausforderungen geht Luca nun weiter in seinem Ausbildungsbetrieb an und schaut mal: „Was die Zukunft noch so bringt.“

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Kreishandwerkerschaft Stade

Authorin: Kim Katharina Koch, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit

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