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Große Herausforderung für das Bauhandwerk – starke Absolvent:innen für die Zukunft. 13.07.2022, Ziegelei Rusch, Drochtersen.

Diese und weitere Bilder:

In der Ziegelei Rusch ging es nach 2 Jahren coronabedingter Pause zünftig zu. In traditioneller Kluft nahmen die diesjährigen Absolventen der Zimmerer:innen und Maurer Platz. Gemeinsam mit Freunden und Familie nahmen die jungen Handwerker:innen ihren Gesellenbrief stolz entgegen. Obermeister Max-Herbert Gellert führte durch die Veranstaltung. „Sie haben diese Prüfung bestanden – genießen Sie diesen Erfolg heute, seien Sie stolz auf sich und lassen Sie sich feiern.“ Gellert macht aber auch deutlich, dass den Menschen im Leben des Azubis ein großer Dank galt: Familie, Freunde, Lehrer, Ausbildungsleiter, Kollegen und Betriebsinhaber – alle haben Sie so gut es geht unterstützt, damit Sie heute hier sitzen.“

Der Gesellenbrief sei heute, sowie gestern, aber besonders für die Zukunft ein Qualitätssiegel – europaweit, wenn nicht sogar weltweit. Aber: „Im gleichen Atemzug sage ich: Auch wenn Ihnen die Welt offensteht – wir würden uns sehr freuen, wenn Sie mit ihrem Können unserer Region hier im Norden, im Landkreis Stade, treu bleiben und hier ihr Glück finden – beruflich, wie privat.“

Fotos: Die Absolventen der Zimmerer und Maurer mit ihren Offiziellen in der hinteren Reihe:

Zimmerer: Obermeister der Bauhandwerks-Innung Max-Herbert Gellert, Olaf Guthahn als Meisterbeisitzer, stv. Obermeister + Lehrlingswart Zimmerer der Bauhandwerks-Innung Niels Lühmann, Gesellenbeisitzer Jörg Blech, Gesellenbeisitzer Dipl.Ing. (FH) Hans-Günter Peters, Gesellenbeisitzer + Prüfungsausschussvorsitzender Andree Kaatz,

Maurer: 6 Absolventen aus dem Sommer 2022 plus zwei Maurergesellen, die nach 2,5 Jahren ihre Ausbildung im Winter bestanden haben. Obermeister der Bauhandwerks-Innung Max-Herbert Gellert, stv. Obermeister + Lehrlingswart Zimmerer der Bauhandwerks-Innung Niels Lühmann, Gesellenbeisitzer Jörg Blech, Gesellenbeisitzer + Prüfungsausschussvorsitzender Andree Kaatz

Angetreten sind deutlich mehr Maurerprüflinge, 8 haben die schwere Prüfung am Ende bestanden. Bei den Zimmerern sind 30 zur Prüfung im TZH angetreten und 22 bekommen den Gesellenbrief überreicht.  „Das hier ist kein Zuckerschlecken – das ist Handwerk, das ist Können, in der Theorie und Praxis. Die Prüfungen fordern Engagement und Ehrgeiz – dann schafft man das sicher,“ resümiert Obermeister Max-Herbert Gellert. Mit dem Bestehen der Prüfung hätten die Handwerker:innen nun bewiesen, dass sie die damit verbundenen Qualitätsansprüche erfüllen könnten. Dieses Können würde nicht nur von den Kunden und Kollegen erwartet, die Absolvent:innen seien damit auch ein Vorbild für die nächste Generation Azubis, so Gellert. „Sie als Zimmerer – hochoben auf den Dächern des Landkreises – sind dem Himmel näher als andere. Nehmen Sie dieses Bild für sich mit und schauen sie auch beruflich über diesen Horizont hinweg – bilden sie sich weiter, lernen sie weiter, lassen sie ihre Arbeit ihr Stolz sein.“ Natürlich sollen auch die Maurergesellen ihren Abschluss als Investition in die Zukunft sehen und darauf weiter aufbauen, ermutigt Gellert die Junggesell:innen.

Energetische Sanierung, Wohnraummangel, renovierungsbedürftige Bauinfrastruktur lasse den Beruf im Bauhandwerk zu einem krisensicheren Fundament werden. „Die Zeit bleibt nicht stehen, das haben wir in den letzten drei Jahren, manchmal bitter, feststellen müssen. Und ich vermute, dass wird noch einige Jahre so weitergehen“, ermutigt er die Junghandwerker:innen zu Flexibilität, Kreativität und Ehrgeiz beim Lösen dieser Aufgaben.

Auch der Arbeitsmarkt wird sich Veränderungen beugen müssen: „So sehen wir Gesprächen um die 4-Tage-Woche oder der 42- Stunden-Woche entgegen. Neue Generationen bringen Veränderungen, andere Geschmäcker, andere Bauweisen hervor – und das ist gut so, denn auf der Stelle zu stehen, hat noch niemanden vorangebracht. Haben Sie keine Angst davor – machen Sie mit.“

Zum Abschluss der Veranstaltung lud Gellert gemeinsam mit seinen Kollegen die Anwesenden zur traditionellen Vesper ein. Bei Getränken und Schnittchen haben sich viele eine Führung durch die beeindruckenden Räumlichkeiten der klassischen Ziegelleiproduktion angeschlossen. Gellert hofft: „Wir drücken einfach alle die Daumen, dass wir den nächsten Jahrgang 2023 hier wieder wärmstens empfangen können.“

Maurer

Innungsbester Maurer: Wenn dich die Motivation packt: Vom Immobilienmakler zum Maurergesellen weiter zur Meisterschule.

Juri Firster, 31 Jahre, Bremen, Innungsfachbetrieb ViebrockHaus Harsefeld. Juri startete als gelernter Immobilienmakler in seine Ausbildung zum Maurer und schloss diese bereits im Winter mit verkürzter Lehrzeit nach 2,5 Jahren ab: „Ich habe in meinem vorherigen Beruf gesehen, wie Häuser entstehen – Stein auf Stein. Das hat mich so fasziniert, dass ich es selbst erlernen wollte“, beschreibt der Bremer seinen Berufswechsel. An der Seite seines Ausbildungsbetriebes geht es nach einem Prüfungsabschluss mit über 81% nächstes Jahr Richtung Meisterschule. Der Wechsel aus dem Büro auf die Baustelle war für ihn erst eine kleine Herausforderung: „Das ist erstmal eine Umstellung, aber das Team hat das schnell wieder aufgefangen und die Motivation hochgehalten“, sagt der 31-Jährige mit einem Lächeln auf dem Gesicht. Er könne sich auch irgendwann eine Selbstständigkeit vorstellen, aber: „Ich bin sehr glücklich bei ViebrockHaus, hier stehen mir alle Türen offen.“

 

2. Innungsbester Man hat nie das Gefühl, dass man umsonst aufgestanden ist: Mika hat seinen Beruf gefunden.

Mika Benecke, 19, Ahlerstedt, Innungsfachbetrieb ViebrockHaus Harsefeld. Der Realschüler ist von der Schule direkt in die Ausbildung gestartet. Er tritt betrieblich in die Fußstapfen seines Vaters, der bereits in Anstellung bei ViebrockHaus arbeitet. „Zuhause sind wir immer mit Handwerk umgeben, auf unserem alten Bauernhof ist immer was zu tun, da habe ich von klein auf überall mit angepackt.“ Damit war Mikas Berufswahl für ihn schnell klar – nach verkürzter Lehrzeit von 2,5 Jahren gehen seine Ziele nun weiter. „Jetzt mache ich erstmal die Meisterschule.“ Solange es Spaß machte, mauert er weiter, sagt der Junggeselle und fügt hinzu: „Man sieht was man geschafft hat, draußen an der frischen Luft sein, mit den Teamkollegen zusammen zu sein.“ Und am allerwichtigsten findet er: „Man hat nie das Gefühl umsonst aufgestanden zu sein,“ wenn das nicht der schönste Grund ist, einen Beruf auszuüben.

Zimmerer

1.      Innungsbester

Wenn du weißt, was du willst – weißt du was du willst. Beim Innungsbesten schlägt das Herz für Handwerk

Max Wörmcke, ist 19-jahre jung. Der Isenseeer hat nach seinem Realschulabschluss seine Ziele fest im Blick. Für Max kam keine Alternative in Frage: „Das war für mich schon immer klar und die Praktika, die ich gemacht habe, haben das nur weiter gestärkt.“, sagt er. Max Ziele sind klar, jetzt würde weiter als Geselle gearbeitet, dann folge der Meister. „Wenn ich mir einen Arbeitstag zimmern könnte, würde ich richten – da sieht man am Ende des Tages am meisten, was man geschafft und erschaffen hat.“ Max lernte im Innungsbetrieb H. Gätke GmbH in Osten-Isensee , wo er sich auch in 10 Jahren noch sieht – dann allerdings am liebsten als Meister. Max bestand seine Prüfung mit über 93% und ist somit Innungs- und Jahrgangsbester. „Ich habe noch nie gesehen, wie ein Prüfling so schnell und so unkompliziert durch die praktische Prüfung gelaufen ist, diese Leichtigkeit war wirklich beeindruckend.“, beschreibt Meisterbeisitzer Olaf Guthahn die Prüfungsleistung von Max.

2. Innungsbester Am ersten Tag schlottern noch die Knie – am Ende mit über 90% bestanden.

Mats Rühmann hat das Holzfieber gepackt – das musste sich aber erstmal einstellen: „Ich habe nach meinem Abitur bei meinem Ausbildungsbetrieb gejobbt, das hat mir dann so gut gefallen, dass ich in die Lehre eingestiegen bin,“ so der Sauensieker. Sein Onkel ist Architekt, Mats wollte aber erstmal nicht studieren, er wollte was Handfestes machen: Am ersten Tag schlotterten Mats noch die Knie hoch oben auf dem Dach: „Ich hatte schon Respekt, aber wenn du vernünftig auf deine Füße aufpasst und die sortiert bekommst, dann geht es schon.“ Jetzt geht es aber doch noch ins Studium: „Das wird mir schon schwerfallen. Praktisch macht das echt viel Spaß. Ich hoffe, ich kann während und nach meinem Studium des Holzingenieurswesens an der Praxis festhalten und ab und zu mit auf die Baustelle.“ Mats gibt gerne Vollgas, aber: „…, bei den monotonen Arbeiten kann ich sehr gut runterfahren und entspannen.“ Gelernt hat der Zweitbeste seines Jahrganges bei Lühmann Holzbau GmbH in Ahlerstedt-Wangersen

3. Innungsbester Gekommen, um zu bleiben – Abitur – Australien und jetzt ab ins Studium

Marvin Dede ist 22-jahre jung – in trieb es nach seinem nach Australien zum Work + Travel bis Corona seine Reise jäh beendete. Dann stürzte sich Marvin kurzerhand ins nächste Abenteuer: „Ich bin dann sofort in die Ausbildung gestartet. Jetzt geht es ins Duale Studium Bauingenieurswesen an der Hochschule21 in Buxtehude.“ Zu Beginn war seine Berufswahl eher so ein „das möchte ich vorher einfach machen, ist als Fundament zum Studium sicherlich förderlich“, so Marvin – heute resümiert er: „Ich habe den Beruf wirklich liebgewonnen– trotz Studium werde ich mal sehen, wo mich die Reise hinführt“. Als Partner an seiner Seite hat er das Stader Innungsunternehmen NDB, bei dem Marvin auch nach dem Studium verbleiben wird. „Am Bau habe ich sehr gerne gerichtet – Holzrahmenbau ist innovativ und nachhaltig – sprich mit nachwachsenden Rohstoffen, wenig Zement oder Ähnlichem – das macht am meisten Spaß.“

Zimmerer-Blut mit in die Wiege gelegt bekommen – Handwerk für Marie keine Frage des Geschlechts.

Marie Meier ist 21 Jahre jung und hat nach ihrem Abitur und einem Auslandsaufenthalt zuerst ein Architekturstudium begonnen „Das habe ich dann recht schnell abgebrochen. Studieren ist nix für mich,“ resümiert sie. Handwerk sei mehr was für sie, das hat sie auch mit ihrem Abschluss bewiesen, den sie mit einer „2“ in der Praxis und einer „2“ im Theoretischen bestanden hat.

Vor ihrer Zeit an der Uni hatte sie bereits Praktika in Tischlereien und Zimmereien absolviert. Den Zimmereiberuf hat sie allerdings in die Wiege gelegt bekommen und: „Blut ist dicker als Wasser“, scherzt sie. Im elterlichen Betrieb beginnt sie ihre Lehre. Ebenfalls an ihrer Seite sind die 3 Brüder, die auch Zimmerer sind. Deshalb hat sie auch nie darüber nachgedacht, dass eine Frau auf dem Bau heute noch als Exotin gilt: „Da ich selbst auch nicht in „Geschlechtern“ denke, sondern eher nach Sympathie, bin ich da gar nicht drüber gefallen, dass das ein Problem sein könnte. War es aber auch nie.“ Sie habe sich immer wohl gefühlt und wurde nie benachteiligt, aber – auch nicht bevorzugt. Jetzt arbeitet die Junggesellin in ihrem Handwerk weiter und peilt die Weiterbildung zur Meisterin oder Technikerin an: „Irgendwann steht auch Selbständigkeit auf meinem Wunschzettel – aber das hat erstmal noch Zeit,“ so die sympathische Zimmerin.

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