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Fehlen die Azubis heute – fehlen die Fachkräfte von morgen.

Foto: Die drei Absolventen der Maler- und Lackierer Ausbildung 2022 eingerahmt von Berufschullehrer Volker Henkis, Berufsschullehrer Markus Heimfahrt, Obermeister Ralf Behrens und Gesellenbeisitzer Thomas Harter

Stade, 14.07.2022, Technologiezentrum des Handwerks Stade.

„Der Fachkräftemangel von Morgen sind die fehlenden Azubis von heute“, so Obermeister der Maler-Innung Stade Ralf Behrens, der mit seinen Prüfungsausschusskollegen von sechs angetretenen Prüflingen nur Dreien den Gesellenbrief übergeben konnten. Und die Krux ist: „Einige nutzen die Ausbildung als Sprungbrett zur Industrie, die sie mit offenen Armen empfängt,“ klagt der Obermeister und skizziert weiter: …, denn der Endkunde muss sich bewusst machen, dass man schon bald noch länger auf seinen Handwerker warten muss: „Da die Gewerke oft voneinander abhängig sind, werden Maler- und Lackiererarbeiten im Neubau oder im Bestand, privat oder gewerblich aufgrund des fehlenden Personals einfach sehr sehr lange dauern.“

Wie man diesem Trend begegnen könne, kann Behrens nur mutmaßen: „Seit Jahren versuchen wir mehr Azubis für den Beruf zu begeistern – auf Kreis-, Landes- und Bundesebene.  Es werden Höchstlöhne gezahlt, es gibt unbefristete Arbeitsverträge, Arbeitsbedingungen optimiert, Weiterbildungen, Auslandsaufenthalte und und und ermöglicht – wem aber seit Kindesbeinen an erzählt wird, dass das Handwerk – das Maler und Lackierer sein – ein Leben zweiter Klasse bedeutet, der muss schon sehr mutig sein, seine Reise in unser Handwerk zu beginnen.“

Wer es macht, wird am Ende doppelt belohnt und landet keinesfalls auf einem Leben am Existenzminimum. „Ganz im Gegenteil – man „endet“ meist mit einem höheren Abschluss, die Möglichkeiten sich weiter zu qualifizieren, einen sicheren und gut bezahlten Job, und, mit der Aussicht auf eine funktionierende, lohnende Selbstständigkeit – wenn man das möchte,“ so Behrens. Wer allerdings sein Glück ausschließlich am Geldbeutel misst, der würde im Handwerk dieses nicht finden, so Behrens weiter. „Handwerk ist Familie, Handwerk ist auch Freundschaft, Teamwork und Zufriedenheit – das bekommt man dann on Top.“

Drei Prüflinge haben sich getraut und die Ausbildung durchgezogen. Belohnt wurden sie mit dem Gesellenbrief, der Ihnen direkt nach der mündlichen Prüfung im TZH überreicht wurde. Ausbildungsleiter Volker Henkis bedankte sich bei den Dreien, dass sie drangeblieben sind und auch in den Prüfungen Einsatz gezeigt hätten. Bei einigen scheiterte es nicht am Können, sondern am falschen Zeitmanagement,“ so Henkis. Zudem zeige es, dass die Prüfungen und der Beruf kein Kinderspiel sind.

Geflüchtet, Gelernt, und dann den Gesellenbrief erhalten.

Eid Mohammed Ahmadi ist 2015 als Geflüchteter aus Afghanistan nach Deutschland gekommen. Nach erfolgreichen Sprachkursen spricht der 21-Jährige auffallend gutes Deutsch und hat selbst mit der Prüfung keine großen Schwierigkeiten gehabt. „Eigentlich wollte ich etwas mit IT machen. Mehr durch Zufall bin ich bei meinem Ausbildungsbetrieb gelandet, die noch einen Azubi gesucht haben.“ Jetzt ist der Stader Feuer und Flamme und will in seinem Handwerk bleiben: „Das macht einfach Spaß“, so sein Resümee. Mit einer 3 in der Theorie und einer 3 in der Praxis hat er seine Ausbildung abschließen können. Nach einem Schulpraktikum im Innungsfachbetrieb Malerei Schwarz startete er dort auch in seine Ausbildung. Mohammed wusste sofort, dass die Sprache der Schlüssel zum Erfolg ist: „Da habe ich sehr viel Arbeit reingesteckt und habe sehr sehr viel gelernt – natürlich haben mich dabei viele Menschen geholfen – besonders die Schule hat mich sehr unterstützt.“

Vom Kaufmann zum Gesellen – Wenn das Handwerk ruft.

Adil Rrahmani hat mit dem Schwerpunkt Bauten- und Korrosionsschutz bei XERVON Oberflächentechnik GmbH mit einer Abschlussnote von einer 2 in der Theorie und einer 3 in der Praxis bestanden und ist sichtlich stolz, denn der 30-jährige Stader hat bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung hinter sich. Als Kaufmann im Einzelhandel hat ihn dann nach einigen Berufsjahren das Handwerk gerufen: „Mein Vater und Onkel kommen auch aus dem Handwerk, sie sind Laminierer.“ Adil schätzt die selbstständigen Arbeiten an seinem Beruf sehr: „Großbaustellen, Koordination der Aufgaben – ich könnte mir gut vorstellen mittelfristig auch Baustellenmanagement zu übernehmen.“ Er empfiehlt unentschlossenen Schüler:innen oder Quereinsteigern Handwerk einfach mal auszuprobieren und nicht gleich aufzugeben: „Es ist schon ein besonders gutes Gefühl zu sehen was man geschaffen hat mit einen eigenen Händen. Wenn man dann noch seinen Platz im Team hat, kommt man jeden Abend zufrieden nach Hause.“

Prüfung gemeistert – Selbstbewusstsein dazu gewonnen

Jan-Lukas Faulhaber lernte im Innungsbetrieb Eckhoff in Ahlerstedt. Seinen Ausbildungsbetrieb hat er online gefunden, nach kurzem Kontakt zum Chef selbst, hat er den Ausbildungsplatz sofort bekommen. Der Fredenbecker ist erleichtert seinen Gesellenbrief in den Händen halten zu können. „Die Prüfungen waren wirklich nicht leicht, es war knapp, aber ich habe es geschafft und das zählt“, so der 22-Jährige. Leider lässt eine körperliche Erkrankung nicht zu, weiter in dem Beruf zu arbeiten: „Auch, wenn ich es mir sehr gewünscht hätte, der Arbeitsschutz kann einfach nicht gewährleistet werden,“ sagt der junge Malergeselle selbst. Dennoch gibt es eine Zukunft für ihn: „Ich habe vielleicht eine Anstellung gefunden, in der ein Berufsalltag für mich möglich sein könnte.“

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