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Foto: Kein Gas – kein Thema, aber teuer wird es. Was man jetzt schnell und einfach machen kann, um Kosten zu sparen? Im Gespräch mit den Profis der SHK Innung (Handwerks-Innung Sanitär-, Heizung-, + Klimatechnik Stade) Stade Obermeister Jens Schröter (rechts) und sein Stellvertreter Carsten Mühlenkamp (links).

 

Tipp 1 - Wer es kann: Grundtemperatur auf 18-19 Grad runter setzen. ein

 „Alles unter 18 Grad würde früher oder später zu Problemen bei der Bausubstanz führen,” so Carsten Mühlenkamp. Wichtig sei, dass die Wände trocken bleiben- das könne nur garantiert werden, wenn Räume mindestens 8 Stunden diese Grundtemperatur hätten. Lediglich Räume, die selten oder gar nicht als Wohnräume genutzt werden und keine Feuchtigkeitsträger (Blumen, Kleidung etc.) haben, könnten bis zu einer Temperatur von 15 Grad ganz ohne Heizen auskommen. „Wer kann, darf seine Heizung auch auf eine kräftige Nachtabsenkung oder Abschaltung bis zu einer Außentemperatur von 3 Grad, umstellen, sofern die Grundtemperatur gehalten werden kann.”

Tipp 2 - Heizung einstellen - Warmwasser nur zu Stoßzeiten bereithalten.

Wer sich nicht selbst an den Kessel traut, kann sich an einen SHKler wenden und beraten lassen. „Ein paar Schrauben gibt es schon, an denen man in den Einstellungen noch drehen kann”, so Schröter. Dabei schaut man sich die Regelparamenter an und muss sich fragen: Wann heize ich wie und wieviel?

 

Fragen Sie sich, wann brauchen Sie Warmwasser und wann halten sie es nur vor? Effektiv sind es meist nur 1-2 Stunden am Tag, an denen man wirklich warmes Wasser aus der Leitung benötigt – zu den anderen Zeiten müsse kein warmes Wasser vorgehalten werden. „Duschen Sie abends, stellen Sie die Heizung auf diesen Rhythmus ein, je nach Kesselgröße und Personenanzahl muss man sich dann eben ein bisschen sputen, damit alle warmes Wasser aus dem Speicher bekommen,” empfiehlt Mühlenkamp. Dadurch ließen sich zwischen 5-25% Energiekosten einsparen. Doch Obacht: „Ist das Wasser zu kalt, begünstigt das die Keimbildung im Speicher. In öffentlichen Gebäuden, Praxen und anderen Einrichtungen muss die Wassertemperatur deshalb dauerhaft mindestens 60 Grad betragen“, so Mühlenkamp.

Tipp 3 - Kompromisse bei gemeinsamer Zentralheizung.

Sprechen hilft – Mehrparteienhäuser mit einer Zentralheizung können keine individuellen Einstellungen vornehmen: „Da hilft es, ins Gespräch zu gehen mit Anwohnern und Vermieter und dort das Optimum rauszuholen.“ Natürlich seien dabei alle auf das gegenseitige Wohlwollen angewiesen. „Oft können wir hier beratend tätig werden und eine Lösung für alle finden,” so Schröter

Tipp 4 - Setzen Sie jetzt nicht auf Strom!

Strom kommt ihnen rechnerisch am Ende um den Faktor 5 teurer als andere Energieträger. „Wer meint, die Wärme aus der Steckdose ziehen zu können, bezahlt das bitter,“ so Mühlenkamp. Wer also jetzt auf Radiatoren, Infrarot-Heizkörper oder Wärmelüfter für die Steckdose setzt, sorgt maximal für ein worst-case Szenario vor. Unsere Versorgungsnetze würden wir bei einem Ausrichten auf diesen Energieträger vermutlich überlasten.“

Tipp 5 - Keine Panik bei Defekten.

 Gas-Krise, Materialknappheit, Fachkräftemangel – die Liste der „Probleme” ist lang. Es muss aber keiner im Kalten sitzen, weil die Heizung spinnt – egal ob Ein- oder Mehrparteienhaus, Kindergarten, Schule oder Pflegeheim. „Wir sind untereinander gut vernetzt, wenn es einen neuen Brennkessel braucht, dann besorgen wir immer und irgendwie einen.“ Notfälle hätten immer Priorität.

Tipp 6 - Geduld bei großen Veränderungen

Wer jetzt noch schnell auf andere Energieträger wechseln möchte, hat schlechte Karten. Die Lieferzeiten für Wärmepumpen oder andere Energiesysteme liegen gerade bei ca. 3 bis 12 Monaten. Im Büro brauchen wir derzeit ca. 4-12 Wochen für eine Sichtung und Angebotserstellung, eine Montage kann dann nach Materiallieferung in ca. 12-15 Wochen erfolgen – wir sind hier im best-case Mitte 2023. Zudem dauert der Einbau von Wärmepumpen, Pelletheizung usw. im Vergleich zu einem neuen Gas,- oder Öl-Brennkessel um ein Vielfaches länger: Statt ein paar Tage sind bis zu 2-3 Wochen keine Seltenheit. Wo welches System am meisten Sinn macht, ist immer eine Einzelfallentscheidung und abhängig von vielen Faktoren, da komme man um den Termin mit einem Profi vor Ort nicht herum, so Schröter.

 

Für Unternehmen kann es auch interessant sein, auf punktuelle Wärmeerzeugung zu setzen, statt großflächig warme Luft zu erzeugen. Hallen lassen sich mit Infrarot-Heizungssystemen gut beheizen. Dann wird es nur da warm, wo es auch gebraucht wird. Es wird aber nie eine quick and easy-Lösung geben und keine, die für alle gleich gut ist – wir müssen uns jeden Fall individuell anschauen. 

Tipp - 7: Förderreform beobachten

Jetzt ist klar, wohin die Reise mit den Förderungen geht.  Gefördert werden nur noch Anlagen, die älter sind als 20 Jahre und bestimmte Energieträger. Wer es genau wissen will, informiert sich bei der BAFA(.de) zum Programm BEG Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).

„Quick and Easy“ gibt es leider nicht.

„Machen wir uns nichts vor – es wird wehtun im Geldbeutel, das wird ein harter Winter. „Wir brauchen einen langen Atem – aber die Puste wird uns nicht ausgehen.” Auf lange Sicht ist Gas aber prinzipiell ein System, dass massentauglich ist und bleibt. 

 

„Kurzschlussreaktionen machen jetzt keinen Sinn – wer wirklich klimapositiv umbauen möchte, der dämmt seine vier Wände ordentlich und setzt auf Wärmepumpen oder Energieerzeugung durch selbsterzeugten Strom. Auch hybride Anlagen – zusätzlich zur Gasheizung – können sinnig sein „Dann wird die Energie, die zu Spitzenzeiten gebraucht wird, aus Gas generiert – schwingt zu den übrigen Zeiten auf eine Wärmepumpe um.” Wenn diese Anlage durch Strom aus Photovoltaik betrieben wird, der hat ein recht autarkes Energiesystem geschaffen. 

 

Betriebe mit hohem Energieaufkommen müssen individuelle Lösungen finden. Punktuelle Beheizung, und am Ende, wenn möglich, natürlich Büroräume zusammenlegen, ungenutzte Flächen und Räume maximal runter Regeln oder Mitarbeitende ins Home-Office schicken, damit man für eine Person nicht zwei Unterbringungsmöglichkeiten „warm” hält. Eine „Quick and Easy“-Lösung gäbe es nicht. „Bäcker, Friseure, Produktionen oder energieintensive Gewerbe müssen sich ihre Sachlage vom Profi ansehen lassen, kurzfristige Komplett-Umstellungen sind aber auch hier eher nicht zu realisieren,“ so Schröter.  

 

 „Problemlösungen stehen bei uns schon seit längerem immer weiter oben auf unseren ToDos im Arbeitsalltag“ so Schröter, der sich mittlerweile nur noch um Kunden und Serviceanfragen kümmert und die Mitarbeiter entsprechend koordiniert. „Wir sind heute genauso viel Servicedienstleister wie Handwerker, die Truppe im Büro reicht der Truppe am Bau die Hand,” beschreibt Schröter. 

 

Die beiden Handwerkexperten hätten auch noch Kapazität nach oben in Sachen Personal: „Unser Beruf ist sehr vielseitig, jeder kann sich in jede Richtung spezialisieren“, so Schröter. Mühlenkamp weiter: „Wir brauchen kluge Köpfe, aber auch welche, die einfach Lust haben, anzugreifen, anzupacken und sich nicht zu schade sind, die Hände schmutzig zu machen – Handwerk bleibt Handwerk – auch wenn viel Technologie Einzug gehalten hat.”

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