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Fotograf: Christian Boldt Photography

Für 32 Azubis der Elektrotechnik führten die Stufen an diesem kalten Januartag in den ersten Stock des TZH zu ihrem hart erarbeiteten und wohlverdienten Gesellenbrief.  3 Absolventen mussten coronabedingt ihre Prüfung vorzeitig beenden und treten in 6 Monaten erneut an.

Bei der Übergabe in kleinen Gruppen: Der Prüfungsausschuss mit Vorsitzendem Ronald Schneider (2.vr.) mit Obermeister Olaf Roitsch (3 .vr.) und Lehrlingswart Günter Bösch (re).

„Handwerk ist keine Ausbildung zweiter Klasse. Robotik, Vernetzung, Programmierung, E-Mobilität und Smart Home – wenn kein Strom fließt, steht alles still“, so Obermeister Olaf Roitsch und wird von Lehrlingswart Günter Bösch dazu ergänzt: „Der Gesellenbrief ist sogar ein Zertifikat aller erster Güte! HANDwerk trifft es bei uns nur einseitig – auf der anderen steht ganz klar KOPFarbeit. Aufträge von der Stange findet man bei uns im Beruf selten.“ Heute hätten die Elektrotechniker*innen den Grundstein dafür gelegt – die Basis für alles, was nun käme. Trotz erneut deutlich abgespeckter Freisprechungs-„Feier“ liegt viel Freude und Zuversicht in der Luft. Die Anspannung der letzten Wochen fällt mit der Übergabe des Gesellenbriefes von jedem einzelnen sichtbar ab und zaubern jedem ein erleichterndes Lächeln aufs Gesicht: „Wir sind sehr stolz auf Sie. Das war nicht einfach, besonders mit dem Begleiter „Corona“ an Ihrer Seite“, so Bösch. Obermeister und Lehrlingswart appellieren an die Junghandwerker, für ihren Beruf die Werbetrommel zu rühren: „Erzählen Sie von Ihren Erfahrungen, von Ihrer Begeisterung, nutzen Sie die Ihnen vertrauten Sozialen Medien, laden sie die nächste Generation dazu ein, das Handwerk kennen zu lernen und zeigen Sie, dass sie selber dafür brennen!“ so Roitsch. Feuer und Flamme sollten die jungen Gesellen auch für sich selber sein und immer das Beste aus sich rausholen: „Leisten Sie sich, groß zu denken und Ihre Träume zu leben – ob beruflich oder privat, in der Freizeit oder im Ehrenamt. Zufriedenheit ist bei uns im Handwerk ein guter Ratgeber“, motiviert Bösch.

Vier Innungsbeste mit über 80 Prozent in der Prüfung

#1  In der Kinderstube ins Handwerk verliebt

Tobias Knabbe, 20 Jahre,  Buxtehude, Stadtwerke Buxtehude – Innungsbester mit 85,7%

Tobias Knabbe hat schon mit vier Jahren Elektroluft geschnuppert. „Bei meinem Opa, selber Elektromeister, habe ich schon als Kind immer viel mitgemacht – sogar ganze Maschinen mit auseinander gebaut“, so der 20-jährige. „Über eine Ausbildungsmesse bin ich mit den Stadtwerken ins Gespräch gekommen – dann gab eins das andere und ich hatte einen Ausbildungsplatz.“ Vorher hat Tobias noch einen kleinen Ausflug zum Gymnasium gemacht, aber „Da habe ich schnell gemerkt – das ist nicht so mein Ding, ich will jetzt was Handfestes machen.“ Der Buxtehuder verbleibt im Innungsfachbetrieb Stadtwerke Buxtehude und schielt schon Richtung Meister oder Techniker.

#2 Mit Köpfchen und Teamwork im Alltag des Handwerks angekommen

Christopher Simon, Drochtersen, 19 Jahre alt, Innungsfachbetrieb Freudenberg Elektrotechnik Drochtersen. 84%.

Christopher Simon ist 19 Jahre jung und hält seinen Gesellenbrief als einer der Besten seines Jahrganges in den Händen. Der Drochtersener lernte im Innungsfachbetrieb Freudenberg Elektrotechnik Drochtersen. Nach seinem Realschulabschluss startete er direkt in seine Ausbildung: „Meine Cousine hat mich zu meinem Ausbildungsbetrieb gebracht, die auch bei Freudenberg tätig ist“, beschreibt Christopher seinen Weg ins Handwerk. „Der Elektroberuf ist unglaublich abwechslungsreich – man erlebt jeden Tag etwas Neues. Es ist nie das Gleiche.“ Der Beruf sei aber auch herausfordernd und erfordere viel Kopfarbeit: „Der Zusammenhalt unter den Kollegen, die Teamarbeit – das ist mir besonders im Kopf geblieben, wenn ich an meine Ausbildungszeit zurückdenke.“ Christopher arbeitet nun als Geselle im Ausbildungsbetrieb weiter und peilt in Zukunft den Meisterbrief an. „Vielleicht mache ich mich ja auch irgendwann mal selbstständig“, träumt der junge Handwerker.

#3 Viele Wege führen nach Rom und am Ende zum Handwerk

Jan Hardekopf, 26 Jahre, Jork, NDB Elektrotechnik Stade- 83%

Hauptschule, Realschule, Fachhochschulreife, zwei Studiengänge ausprobiert – Online StartupBusiness und dann: „Wollte ich was Klassisches, was in der Hand, etwas, worauf ich aufbauen kann.“ Zum Handwerk ist der 26-jährige über die Familie gekommen: „Etwas Handwerkliches zu machen, wurde mir von Kind an „eingetrichtert, dem Druck habe ich jetzt nachgegeben“, beschreibt der Jorker seinen Berufsweg mit einem Augenzwinkern. Um selber etwas „Elektronisches“ herzustellen, benötige man das Fachwissen, und um es auch gewerblich anbieten zu können, ein offizielles Berufszertifikat. „Das habe ich jetzt in der Tasche und kann darauf aufbauen – mal sehen, wie es weitergeht“. Sein Handwerk beschreibt Jan als „kopflastig“. Besonders ist ihm die Komplexität und das lösungsorientierte Arbeiten des Berufsbildes im Kundenservice in Erinnerung geblieben.

#4 Vom syrischen Elektrikersohn zum erfolgreichen Elektroniker in Deutschland

Hasan Hegazy, 41 Jahre, Harsefeld, Innungsfachbetrieb ViebrockHaus Harsefeld – 81%

Hasan ist Syrer. In seinem Heimatland hat er bereits als Elektriker gearbeitet und wollte hier in Deutschland seiner Berufung weiter nachgehen. Hasan ist 2015 nach Deutschland gekommen. Der Innungsfachbetrieb ViebrockHaus in Harsefeld hat sein Potential erkannt und ihm die Chance zur Ausbildung gegeben. In Syrien lernte er bei seinem Vater die Elektronik kennen, der als Ingenieur und Geschäftsinhaber ein guter Lehrer für Hasan war und ihm viel über diesen Fachbereich beibringen konnte: „Das war die Basis des Wissens, das hat mir hier in Deutschland natürlich am Anfang sehr geholfen, damit konnte ich mich mehr auf die Herausforderung „Sprache“ konzentrieren“, so Hasan. Er merkte schnell, dass das nicht leicht wird: „Ich habe sofort angefangen, jeden Tag sehr viel zu lesen, das Lesen hat mir geholfen, die Sprache und die Fachbegriffe zu lernen.“ Bis heute liest der Harsefelder täglich, um seine Deutschkenntnisse zu verbessern. Der Handwerksgeselle lebt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern (16 und 19) auf der Geest und ist glücklich: „…ein Teil dieser Gesellschaft zu sein, die Menschen in der Schule und um mich herum haben mich sehr nett empfangen und aufgenommen“.  Hasan hat noch viel vor: „Ich arbeite nun als Geselle und möchte in ein paar Jahren den Meister machen.“

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