Freisprechung der Straßenbauer: Was sie bauen, bleibt

Gruppe von Absolventen, die stolz ihre Zertifikate in den Händen halten, fotografiert im Freien vor einer grünen Kulisse. Die Männer und Frauen, angezogen in formeller Kleidung, stehen auf einer Bank und lächeln in die Kamera.

Wingst. Im Zollhaus in der Wingst hat die Straßenbauer-Innung Stade für den Elbe-Weser-Raum am 24. Juli 2026 gemeinsam mit den Lüneburger Straßenbauern ihre Freisprechung gefeiert. Nach Ausbildung, Berufsschule und den letzten Prüfungstagen wurden die erfolgreichen Nachwuchskräfte in den Gesellenstand erhoben. Schulleiter Tilo Arp von der BBS Cadenberge gab ihnen mit auf den Weg: „Sie können was. Sie brauchen sich nicht zu verstecken.“ Die traditionelle Freisprechung übernahm Ulrich Feil, Vertreter der Straßenbau-Innung Stade für den Elbe-Weser-Raum. Drei der neuen Gesellen zeigen besonders anschaulich, wie unterschiedlich der Weg ins Handwerk sein kann und wie konkret die Pläne danach aussehen. Sie wollen bleiben, sich weiterentwickeln und Verantwortung übernehmen.

Ein Abend zwischen Rückblick und Aufbruch

Nach den einleitenden Worten von Ulrich Feil hielt Tilo Arp seine Festrede. „Straßenbauer lernen ihren Beruf nicht aus Büchern allein. Sie stehen draußen, bei Sonne, Wind und Regen, arbeiten mit schweren Maschinen ebenso wie mit präziser Handarbeit und verbringen während ihrer Ausbildung immer mal wieder mehrere Tage fern von zu Hause.“ All das lag nun hinter den erfolgreichen Prüflingen, ebenso die letzten Prüfungstage. „Heute ist der Tag, dem Sie mit Freude und Stolz begegnen können. Heute haben Sie es geschafft“, sagte Arp. Eine Ausbildung durchzuhalten sei keine Selbstverständlichkeit. Umso größer dürfe der Stolz auf das Erreichte sein.

Begleitet wurden die Auszubildenden von Lehrkräften, die selbst berufliche Praxis mitbringen. Arp verwies unter anderem auf Christin Hitschke und Christopher Linck. Linck begleitete die jungen Straßenbauer als Berufsschullehrer und Vorsitzender des Prüfungsausschusses. Mit dem Gesellenbrief verändere sich etwas Grundsätzliches, machte Arp deutlich: Aus Auszubildenden werden Fachkräfte, aus Üben wird Verantwortung. Den Unterschied brachte er auf eine für Straßenbauer passende Formel. Die jungen Gesellen wüssten nun, was zwischen „Das müsste eigentlich halten“ und „Das hält tatsächlich wirklich“ liegt. Die Ausbildung sei das Fundament. Und mit Fundamenten, so Arp, kenne sich diese Runde schließlich aus.

Sein Rat für die kommenden Jahre war entsprechend klar: „Seien Sie mutig, trauen Sie sich Sachen zu, übernehmen Sie auch Verantwortung.“ Die jungen Fachkräfte hätten Wissen und Können erworben und keinen Grund, sich kleiner zu machen, als sie seien. „Denken Sie dabei möglichst nicht immer zu klein. Sie können was. Sie brauchen sich nicht zu verstecken.“ Auch für die ersten Gehaltsverhandlungen gab es einen bemerkenswert direkten Rat: „Lassen Sie sich nicht unter Wert verkaufen.“ Gleichzeitig erinnerte Arp daran, dass Ausbildung nur gemeinsam funktioniert. Sein Dank galt den Ausbildungsbetrieben, den Lehrkräften, dem Prüfungsausschuss und allen Beisitzern. Bevor Arp die Bühne übergab, zog er noch einen Vergleich zum Fußball: „Straßenbauer und Fußballer haben eins gemeinsam: Am Ende zählt nicht, wie hübsch und schön man dribbelt, sondern dass das Ergebnis stimmt.“ Im Straßenbau kommt noch etwas hinzu: Das Ergebnis muss halten.

Dann folgte der Teil, auf den drei Ausbildungsjahre zugelaufen waren. Ulrich Feil übernahm die traditionelle Freisprechung, gemeinsam mit Christopher Linck wurden die Unterlagen übergeben. Mit der Freisprechung endete die Ausbildung, aber eigentlich begann an diesem Abend viel mehr, als abgeschlossen wurde. Denn das Straßenbauerhandwerk bietet Wege, die weit über den Gesellenbrief hinausführen: Vorarbeiter, Werkpolier, Polier, Meister oder irgendwann vielleicht die Verantwortung für einen ganzen Betrieb

Junger Mann mit lockigem Haar und Brille, trägt ein weißes Hemd und steht lächelnd vor einer grünen Kulisse mit Bäumen und parkenden Autos.

Drei Wege ins Handwerk, drei klare Ziele

Für Jona Adam, 19 Jahre alt aus Zeven, gelernt bei  Boes Bau GmbH führte der Weg zum Straßenbau über die Familie. Nach seinem Schulabschluss musste zunächst eine Entscheidung her. Ein Praktikum im Kfz-Bereich hatte Jona bereits ausprobiert, die Erkenntnis daraus war eindeutig: „Das war nicht meins.“ Sein Stiefvater arbeitet im Straßenbau und brachte ihn schließlich auf den Beruf. Dort fand Jona etwas, das ihm beim Kfz-Praktikum gefehlt hatte: draußen arbeiten, anpacken und unmittelbar sehen, was aus der eigenen Arbeit entsteht. „Man sieht wirklich, was man gemacht hat“, sagt er. Das ist für ihn einer der entscheidenden Reize des Berufs. Morgens beginnt eine Baustelle an einem bestimmten Punkt, am Abend sieht man den Fortschritt. Besonders gern setzt Jona Borde. Dass Straßenbau anstrengend sein kann, verschweigt er nicht. Auch der Feierabend lasse sich nicht immer minutengenau planen. Trotzdem stimmt für ihn die Richtung. Und sein Ausbildungsbetrieb sieht das offenbar genauso: Jona bleibt im Unternehmen. Was danach kommt, lässt er auf sich zukommen. Möglichkeiten zur Weiterentwicklung gibt es im Handwerk genug. „Ich bleibe in die Richtung auf jeden Fall erstmal am Ball.“ 

Lächelnder Mann mit Brille in einem blauen Hemd steht im Freien vor einem Holzstamm und Bäumen, mit Autos im Hintergrund.

Für den 19-jährigen Corvin Meyer aus Kirchlinteln von Eimer-Bau-GmbH begann der Weg ins Berufsleben nach seinem Realschulabschluss. Landwirtschaft spielte in seiner Familie eine große Rolle. Sein Vater hatte einen landwirtschaftlichen Betrieb und irgendwann stand auch für Corvin die Frage im Raum, ob er diesen Weg weitergehen möchte. Er entschied sich anders. Über Praktika entdeckte er, wie viel Spaß ihm die Arbeit auf dem Bau macht. Besonders die Maschinen faszinierten ihn. Noch wichtiger ist ihm aber etwas, das sich nicht in PS oder Tonnen messen lässt: das sichtbare Ergebnis der eigenen Arbeit. Straßenbau bedeutet für Corvin, Jahre später an einem Ort vorbeifahren zu können und zu wissen, dass man selbst daran mitgearbeitet hat. „Man kann irgendwo vorbeifahren und sagen: Das habe ich gebaut. Und das ist schön.“ Besonders gern arbeitet er mit Maschinen und beim Pflastern. Und offenbar reicht ihm die Arbeit unter der Woche noch nicht ganz: Nach Feierabend und sonntags kümmert er sich außerdem weiterhin um die verbliebene Landwirtschaft der Familie mit einigen Tieren und etwas Ackerbau. Nach der Ausbildung bleibt Corvin in seinem Betrieb. Doch einfach nur weitermachen reicht ihm langfristig nicht. Er möchte die nächsten Stufen nehmen. „Der nächste Plan ist Richtung Vorarbeiter. Und danach vielleicht Polier oder Werkpolier.“ Auch sein Bild von der Zukunft ist klar: Mit Mitte 30 möchte er weiterhin im Straßenbau arbeiten, dann aber selbst Baustellen führen und Verantwortung für Mitarbeiter übernehmen. „Genau, das sind meine Ziele. Und das möchte ich dann dementsprechend umsetzen.“

Junger Mann in einem hellblauen Hemd steht lächelnd vor einer grünen Kulisse, umgeben von Bäumen und einer Holzbank.

Der 22-jährige Hans Hubertus von Pander aus Riepe bei Soltau hat seine Ausbildung bei Axel Lutat Garten- und Landschaftsbau absolviert. Sein Weg in den Straßenbau begann nach dem Fachabitur mit Schwerpunkt Bautechnik in Hannover. Über eine längere Praxisphase fand er immer stärker in den Bau hinein. Auch er kennt Landwirtschaft aus der eigenen Familie, stellte aber früh fest, dass seine berufliche Zukunft dort nicht liegen sollte. Während der Corona-Zeit half er bei Bauprojekten im Bekanntenkreis mit. Aus dem praktischen Interesse wurde nach und nach eine berufliche Entscheidung. Am Tief- und Straßenbau reizt ihn die Mischung. Radlader, Maschinen, unterschiedliche Aufgaben und handwerkliche Arbeit gehören zusammen. Fragt man ihn allerdings nach seinem Wunschauftrag für den nächsten Morgen, ist die Antwort schnell da: „Auf jeden Fall irgendwas mit Pflaster.“ Auch Bordarbeiten gehören zu seinen Favoriten. „Das bringt mir am meisten Spaß. Das kann ich auch fast am besten.“ Mit dem Gesellenbrief soll seine Entwicklung allerdings nicht enden. Hans Hubertus beschäftigt sich bereits mit dem nächsten Schritt und schaut nach Meisterkursen, die sich insbesondere während der Wintermonate absolvieren lassen. Und er denkt noch weiter. Mit Mitte 30 möchte er seinen Meistertitel haben. Langfristig kann er sich sogar vorstellen, den Betrieb zu übernehmen, in dem er seine Ausbildung absolviert hat. Aus dem Fachabiturienten, der seinen Platz im Bau gefunden hat, könnte damit eines Tages selbst ein Unternehmer werden.

Was sie bauen, bleibt

Jona Adam, Corvin Meyer und Hans Hubertus von Pander sind auf unterschiedlichen Wegen in denselben Beruf gekommen. Einer über seinen Stiefvater, einer über Praktika nach dem Realschulabschluss, einer über das Fachabitur Bautechnik. Was sie verbindet, ist die Freude daran, am Ende eines Arbeitstages nicht nur auf Arbeitsstunden, sondern auf ein Ergebnis schauen zu können. Straßenbauer schaffen Infrastruktur, die für die meisten Menschen so selbstverständlich ist, dass sie erst auffällt, wenn sie fehlt. Straßen, Wege, Plätze, Borde und Pflasterflächen entstehen durch Fachwissen, moderne Technik und handwerkliches Können. Und vieles davon bleibt über Jahrzehnte. Die Straßenbauer-Innung Stade für den Elbe-Weser-Raum zählt 28 Mitgliedsbetriebe. Wer selbst ausprobieren möchte, ob der Beruf zu ihm passt, findet Praktikums- und Ausbildungsbetriebe unter www.moin-handwerk.de.

Alle Bilder der Veranstaltung dürfen für private Zwecke und für Innungsmitglieder zum Eigennutz verwendet werden. Wir freuen uns über einen Tag/Verlinkung. Kein Innungsmitglied? Fragen Sie hier gerne nach:

Bild von Kreishandwerkerschaft Stade
Kreishandwerkerschaft Stade

Authorin: Kim Katharina Koch, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit

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