Freisprechung Metallhandwerk 2024

26.01.2024. Hollerner Hof, Hollern. Die Metallhandwerks-Innung Stade feiert ihren Nachwuchs. 14 an der Zahl, darunter ein Feinwerkmechaniker und eine junge Metallbaugesellin. Freudige Anspannung lag in der Luft, gespannt folgten die Gäste den Worten von Obermeister Ingo Fischer und Festredner Jürgen Knoll, die fast nur gute Worte im Gepäck hatten. Fischer macht klar, dass es nicht nur Menschen braucht, die einen Ausbildung machen, sondern auch Menschen, die dafür sorgen, dass man eine Ausbildung mit abschließender Gesellenprüfung machen kann. „Da stecken viele Köpfe hinter, die diese Arbeit freiwillig im Ehrenamt leisten, diese Leistung kann und muss auch eine entsprechende Würdigung erfahren.“

Obermeister Ingo Fischer würdigt Ehrenamtliche: Hinter den Gesellenprüfungen - eine Gemeinschaftsleistung für die Zukunft des Handwerks

Ingo Fischer beschreibt, was eigentlich dahinter steckt: „Innung, Handwerkskammer, TZH – alles Institutionen mit vielen Ehrenämtlern, die dafür sorgen, dass wir eine Gesellenprüfung durchführen können und Sie ihren Gesellenbrief erhalten.“ Dies geschehe auf freiwilliger Basis und erfülle alle Teilnehmenden mit Freude und Stolz, er dankte all diesen Menschen, die sich ganz uneigennützig für die Zukunft des Berufes und somit auch für die Zukunft der Branche einsetzen. 

„Dieser Gesellenbrief ist der erste Schritt – machen Sie jetzt den zweiten.“ Mit diesem Prädikat könnten sich die jungen Handwerker*innen nun überall bewerben, weltweit. „Sie werden begehrt sein, das verspreche ich Ihnen,“ weiß Fischer aus Erfahrung, denn als Unternehmer kennt er die Herausforderungen in Sachen Personalmanagement. 

Ganz nach dem Motto „Aus den härtesten Zeiten lernt man am meisten“ ist für Fischer der Krisenmodus eher eine Chance. „Sie haben im Realexperiment gezeigt, dass Sie in Coronazeiten Ihre Ausbildung angefangen haben und dann immer weiter durch die Krisen geschlittert sind, die dann folgten.“ Es könne also nur noch besser werden, aber „bis hierhin haben Sie es trotz aller Widrigkeiten geschafft.“

Der Festredner. Dipl. Ing. Jürgen Knoll am Metallnachwuchs: Maßhalten, Verbindungen schaffen und Toleranz leben – Schlüsselqualitäten für den Erfolg im Handwerk

Dipl. Ing. Jürgen Knoll, Leitung Technologiezentrum der Handwerkskammer Braunschwieg-Lüneburg-Stade. 

„Als Metallbauer haben Sie die Fähigkeit erworben, das rechte Maß zu halten,“ und das nicht nur im Beruf, eine Ausbildung lehrt einem auch außerhalb von Fertigkeiten einen Blick für das Maßhalten zu bekommen.  „Sie haben auch gelernt Verbindungen herzustellen, kraftvoll und formschlüssig.“ Die Form behalten – auch das ist etwas, was im Leben in vielen Lagen zähle. „Als drittes noch bis zu einem gewissen Grad die Toleranzen einhalten,“ auch hier wieder passend zu unserer Gesellschaft, zu Gästen in unserem Land, „Gastfreundschaft zu bieten und auch Toleranz einfordern.“ Alles sei im rechten Maße zu halten – besonders in Zeiten, in der Polarisierung, Meinungsmache, Fake-News und Anstachelungen an der Tagesordnung seien. Wenn die Handwerker „in ihrem Beruf das Maß nicht einhalten, die Toleranzen überschreiten, kommen sie nicht zum Erfolg.“ Mit „Nachvorneschauen“ käme man weiter als zurückzuschauen, „wo wollen Sie hin? Und wer wollen Sie sein?“

Ehrenurkunde für ehrenamtliche Tätigkeit übergeben.

„Heino Bösch war viele Jahre an unserer Seite und hat als Altgeselle die Gesellenprüfungen mit begleitet. Sein Einsatz für das Feinwerkmechaniker-Handwerk sucht seinesgleichen und sollte Vorbild für alle sein,“ so Lehrlingswart Helmut Bardenhagen. Die Arbeit in der Innung und für die Prüfung war für Bösch eine Lebensbereicherung: „Immer in Kontakt mit dem jungen Nachwuchs, immer wieder neue Menschen kennen gelernt, aber auch mit Kollegen und damit auf dem Laufenden geblieben.“ Das hätte einfach sehr viel Spaß gemacht, resümiert er.

Drei Absolventen im Gespräch Feinwerkmechaniker #1 Vom Praktikanten zum Gesellen: Yanik’s Weg als Feinwerkmechaniker – Detektivarbeit für Motoren und die Freude an handwerklicher Vielfalt.  AMS Ausbau- und Montage Service GmbH

„Auch wenn ich nicht wusste, was mich eigentlich erwartet, versuche ich es einfach mal,“ so startete Jannik ein Jahr vor seiner Ausbildung als Praktikant in seinem Ausbildungsbetrieb. Der Alltag machte ihm so großen Spaß, dass er kurzerhand die Ausbildung zum Feinwerkmechaniker begann. Jetzt als Geselle weiß Jannik, was im Alltag in seinem Betrieb erwartet wird und schwärmt:  „Das ist schon richtige Detektiv-Arbeit. Wenn der Motor nicht mehr läuft, gehen wir auf Spurensuche.“ Instandsetzen, Reparieren, Warten, aber auch Motoren bauen – in seinem Ausbildungsbetrieb kommen ihm große und kleine mechanische Patienten in die Hände – „Auto, LKW, Motorräder, Trecker, Landmaschinen, Boote, Industriemotoren – alles, was anspringen muss, muss auch am Laufen gehalten werden.“  Dafür müssen auch Teile neu gebaut werden. „Drehen und Fräsen ist schon eine meiner Lieblingsaufgaben. Und wenn es dann noch passt und läuft, sind alle glücklich.“ Der Gesellenbrief ist für Jannik der erste Meilenstein, auf den er besonders stolz sein kann. „Ich bin der erste aus unserer Familie, der sich fürs Handwerk und gegen das Studium entschieden hat,“ und sagt mit einem Augenzwinkern „der erste, der was ordentliches gemacht hat.“ Er weiß, mit diesem Abschluss stehen ihm alle Wege offen, doch jetzt freut er sich erst einmal auf seinen Berufsalltag als Geselle.

Metallbau

#2  Vom PTA zur Metallbauerin: Fiona’s Weg zu Sinnhaftigkeit und Leidenschaft im Handwerk

Fiona Ehlen, 23, Ahlerstedt, Schlosserei Meier Buxtehude.

Probieren geht über studieren – Fiona ist auf Umwegen auf den Beruf der Metallbauerin gekommen. „Erst habe ich PTA gelernt, das war gar nicht meins und über das Berufsvorbereitungsjahr habe ich den Metallbau kennen gelernt.“ Hier ist sie dann hängen geblieben und hat genau das gefunden, was für sie „Sinn ergibt. Nach Zeichnung bauen, Schweißen, Schrauben, Fertigen, Montieren, Kundenkontakt – das Gesamtpaket, das macht es aus.“ Fiona spricht mit viel Leidenschaft von dem, was sie sich täglich erarbeitet – das möchte sie auch anderen zeigen und freut sich, das in Zukunft auch weitergeben zu dürfen: „Anleiten und ausbilden, das wäre schon.“ Sie weiß, im Metallberuf ist sie schon eine Exotin: „Ich bin in keinem Moment auf Widerstand, Probleme oder besondere Herausforderungen gestoßen, man hilft sich im Team, ob Männlein oder Weiblein ist da völlig egal,“ so die taffe Junggesellin. Wer mit dem Gedanken spielt, diesen Beruf machen zu wollen empfiehlt sie: „Mathematisches und technisches Verständnis mitbringen, auch dem Kontakt mit Kunden sollte man nicht ganz abgeneigt sein.“ Mit ihrer Einstellung: „Es gibt immer eine Lösung,“ schaut sie nun in die Zukunft

#3 Vom Schulfrust zur Handwerksleidenschaft: Metallbauer in Ausbildung mit klaren Zielen und grenzenlosen Möglichkeiten

John Horn, 21, Metallbauer/-in Konstruktionstechnik, AMS Ausbau-und Montage-Service GmbH, Buxtehude

„Ich habe vor meiner Ausbildung die Lust an der Schule verloren.“ Gut, dass er bereits vorher ein Praktikum absolviert hatte und so der nächste logische Schritt für ihn die Ausbildung war. Nach der 11. Klasse am Gymnasium wechselte er „in die Ausbildung zu A&M. Das hat mir bereits im Praktikum richtig gut gefallen. Kollegen, Betriebsklima- alles top.“ Sein Interesse am Handwerk kommt nicht von ungefähr. „Mein Vater hatte eine Zimmerei, ein guter Freund war bereits Azubi bei A&M – Handwerk war also sehr naheliegend.“ Sein handwerkliches Geschick kam ihm ebenfalls zugute und „Druck in den Pfoten hilft ungemein,“ resümiert er lächelnd. Ein echter Macher mit klarer Vorstellung. „Jetzt heißt es Führerschein machen, eigene Wohnung, Arbeiten. Dann verschiedene Weiterbildungen, Meister, Techniker.“ Wer auch Metallbauer werden will, den erwartet ein Job, der Spaß und zufrieden macht, manchmal körperlich fordert und eine Vision nach „Mehr“ fördert. „Das ist ein Beruf, der keine Grenzen hat. Man kann immer dazulernen, immer weitermachen, die Möglichkeiten sind unbegrenzt.“

Kreishandwerkerschaft Stade
Kreishandwerkerschaft Stade

Authorin: Kim Katharina Koch, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit

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