Engelschoff, 30. Juni 2026. Im Gasthaus Platz 2 hat die Bauhandwerks-Innung Stade ihre neuen Gesellinnen und Gesellen feierlich freigesprochen. Insgesamt 26 ehemalige Auszubildende aus dem Maurer- und Zimmererhandwerk nahmen ihre Gesellenbriefe entgegen und wurden offiziell in den Gesellenstand erhoben. Gemeinsam mit ihren Familien, Ausbildungsbetrieben und zahlreichen Gästen feierten sie den erfolgreichen Abschluss ihrer Ausbildung. Obermeister Olaf Guthahn gratulierte den Nachwuchshandwerkerinnen und -handwerkern: „Genießt diesen Erfolg. Seid stolz auf euch.“ Gleichzeitig machte er deutlich, welchen Stellenwert das Handwerk besitzt: „Der Gesellenbrief ist und bleibt ein Qualitätsmerkmal.“
Nach einem eindrucksvollen Imagefilm des Handwerks gedachte die Festgesellschaft zunächst in einer Schweigeminute der Opfer des Anschlags in Stade. Erst danach richtete sich der Blick auf den eigentlichen Anlass des Abends: den erfolgreichen Abschluss einer Ausbildung, die den jungen Handwerkerinnen und Handwerkern in den vergangenen Jahren viel Einsatz, Durchhaltevermögen und Leidenschaft abverlangt hatte.
Ein Meilenstein auf dem Weg ins Berufsleben
„Die heutige Freisprechung ist aus gutem Grund der Höhepunkt eurer Ausbildungszeit“, sagte Olaf Guthahn. Mit den bestandenen Prüfungen hätten die Absolventinnen und Absolventen bewiesen, dass sie ihr Handwerk beherrschen. Gleichzeitig beginne mit dem Gesellenbrief ein neuer Abschnitt voller Möglichkeiten.
Anschließend überreichten die Prüfungsausschüsse die Gesellenbriefe und Prüfungszeugnisse. Insgesamt konnten 26 junge Fachkräfte ihre Ausbildung erfolgreich abschließen und wurden traditionell in den Gesellenstand erhoben.
Freigesprochene Maurer
- Ben Wiebusch, Bader GmbH, Mulsum
- Nico Bechthold, Andreas Viebrock GmbH, Harsefeld
- Piere Gehrmann, Andreas Viebrock GmbH, Harsefeld
- Nils Grell, Karl-Heinz Bernhardt, Wischhafen
- Zabihullah Jafari, Gülzau GmbH & Co. KG, Stade
- Khald Ramadan, Andreas Viebrock GmbH, Harsefeld
- Max Schultz, Mittelstädt Baugeschäft GmbH, Himmelpforten
- Marlon Stolter, Mittelstädt Baugeschäft GmbH, Himmelpforten
- Thies Vollmers, Mittelstädt Baugeschäft GmbH, Himmelpforten
- Tommy Joe Witt, Heinrich Blohm GmbH, Harsefeld
Freigesprochene Zimmerer
- Amelie Ehrigsen, Oellrich Holzbau GmbH & Co. KG, Hollern-Twielenfleth
- Patrick Holst, Oellrich Holzbau GmbH & Co. KG, Hollern-Twielenfleth
- Jan-Malte Jäger, Fitschen Bedachungen GmbH & Co. KG, Sauensiek
- Finn Elias Rohwer, Jendrik Cohrs Zimmerei, Buxtehude
- Luca Tobaben, Quelle Holzbau GmbH & Co. KG, Bargstedt
- Antonia Noack, Lühmann Holzbau GmbH, Ahlerstedt
- Damien Templin, Hagedorn Holzbau GmbH, Bargstedt
- Mika Kindworth, Ing. Holzbau Raap GmbH & Co. KG, Ahlerstedt
- Vincent Augustin, Fitschen Bedachungen GmbH & Co. KG, Sauensiek
- Miguel Mattes, Oelkers Holz- und Elementebau GmbH, Rosengarten-Sottorf
- Maya Prigge, Zimmerei und Planungsbüro Nut & Feder Benthien GmbH Wohnste
Herausragende Leistungen ausgezeichnet
Auch in diesem Jahr wurden mehrere Absolventinnen und Absolventen für besonders gute Prüfungsergebnisse ausgezeichnet.
Im Maurerhandwerk erhielt Marlon Stolter (Mittelstädt Baugeschäft GmbH, Himmelpforten) für seinen Gesamtnotendurchschnitt von 1,7 einen Buchpreis. Khald Ramadan wurde für die beste praktische Prüfung ausgezeichnet.
Im Zimmererhandwerk erzielte Antonia Noack (Lühmann Holzbau GmbH, Ahlerstedt) mit 95,5 Prozent die beste praktische Prüfung. Mika Kindworth (Ing. Holzbau Raap GmbH & Co. KG, Ahlerstedt) und Vincent Augustin (Fitschen Bedachungen GmbH & Co. KG, Sauensiek) erhielten ebenfalls einen Buchpreis für ihre guten Leistungen.
Ein weiterer Buchpreis ging an Miguel Mattes für seine hervorragende praktische Prüfung. Die beste Gesamtleistung des Jahrgangs erreichte Maya Prigge, die ihre Gesellenprüfung mit einem Notendurchschnitt von 1,3 abschloss und dafür mit langanhaltendem Applaus geehrt wurde.
Der Gesellenbrief ist erst der Anfang
Ein besonderer Programmpunkt des Abends war der Vortrag von Tobias Prigge über die traditionelle Wanderschaft und ein Erasmus+-Projekt in Rumänien. Er machte den neuen Gesellinnen und Gesellen Mut, über den eigenen Tellerrand hinauszublicken und internationale Erfahrungen zu sammeln. Junge Handwerkerinnen und Handwerker seien weltweit gefragt und könnten bei Projekten im Ausland fachlich wie persönlich wertvolle Erfahrungen sammeln.
Auch Olaf Guthahn warb dafür, neugierig zu bleiben und sich stetig weiterzuentwickeln. Das Bauhandwerk biete vielfältige Karrierewege, vom Meistertitel über ein Studium bis hin zur Selbstständigkeit. Gleichzeitig erinnerte er daran, welche Bedeutung das Handwerk für die Gesellschaft hat.
Zum Abschluss erhob der Obermeister gemeinsam mit den Mitgliedern der Prüfungsausschüsse die Absolventinnen und Absolventen traditionell in den Gesellenstand. Gemeinsam stießen sie auf ihren Erfolg an und feierten anschließend mit ihren Familien, Freunden und Ausbildungsbetrieben.
Mit der Freisprechung endet die Ausbildungszeit, gleichzeitig beginnt für die jungen Fachkräfte ein neuer Lebensabschnitt. Ob Meisterschule, Studium, internationale Erfahrungen oder der direkte Einstieg in den Beruf: Das Bauhandwerk bietet beste Perspektiven und vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten.
Vincent Augustin: Zwischen Baustelle und Bauingenieurwesen
Nach dem Abitur nahm sich Vincent Augustin aus Sauensiek zunächst bewusst Zeit, verschiedene Praktika auszuprobieren. Er wollte herausfinden, welcher Beruf wirklich zu ihm passt. Die Entscheidung fiel schließlich auf das Zimmererhandwerk. Während eines Praktikums merkte er schnell, dass ihn die Arbeit mit Holz begeistert. „Man schafft etwas und sieht am Ende des Tages, was entstanden ist.„
Besonders schätzt der 21-Jährige die Vielseitigkeit des Berufs. Gerade im Altbau müsse häufig improvisiert werden. „Man hat eine Richtung, wie es werden soll. Aber oft funktioniert es genau so nicht. Dann muss man kreativ werden.“ Genau diese Mischung aus handwerklichem Können und technischem Denken habe ihn fasziniert.
Während seiner Ausbildung bei Fitschen Bedachungen GmbH & Co. KG in Sauensiek stellte Vincent fest, dass ihn neben der praktischen Arbeit auch die theoretischen Hintergründe immer stärker interessieren. Deshalb studiert er inzwischen Bauingenieurwesen in Braunschweig. Ganz vom Handwerk verabschieden möchte er sich trotzdem nicht. In den Semesterferien möchte er weiterhin auf Baustellen arbeiten und praktische Erfahrungen sammeln.
Sein Ziel ist klar: „Ich möchte später eine Mischung aus Baustelle und Büro. Das, was ich plane, möchte ich auch wachsen sehen.“ Ob Holzbau oder Ingenieurbau, die Verbindung zum Handwerk soll auf jeden Fall bleiben.
Antonia Noack: Dem Herzen gefolgt und im Holzbau angekommen
Für Antonia Noack verlief der Weg ins Zimmererhandwerk alles andere als geradlinig. Nach ihrem Abitur absolvierte sie zunächst eine Ausbildung zur Fahrzeuglackiererin und arbeitete anschließend unter anderem bei Airbus. Doch irgendwann merkte sie, dass ihr etwas fehlte. Nach einer zweijährigen Auszeit in Norwegen mit Reisen, Outdoor-Projekten und einer Zeit auf einer Huskyfarm stand für sie fest: Sie möchte zurück ins Handwerk.
Den entscheidenden Anstoß gaben die traditionellen Holzbauten Skandinaviens. „Ich möchte etwas erschaffen und glückliche Gesichter sehen.“ Deshalb begann sie mit 27 Jahren ihre zweite Ausbildung bei Lühmann Holzbau GmbH in Ahlerstedt.
Besonders liebt sie den Moment, wenn aus einer Planung ein fertiges Bauwerk entsteht. „Aus Theorie wird Wirklichkeit.“ Genau dieser Augenblick gebe ihr das Gefühl, etwas Bleibendes geschaffen zu haben.
Auch für die Zukunft hat Antonia klare Vorstellungen. Der Meistertitel ist für sie ein realistisches Ziel. Noch größer ist allerdings ihr persönlicher Traum:
Der bleibt allerdings vorerst noch ihr kleines Geheimnis.
Marlon Stolter: Schon als Kind war klar, wohin der Weg führt
Für Marlon Stolter aus Himmelpforten gab es schon früh nur einen Berufswunsch. Gemeinsam mit seinem Vater und seinem Patenonkel sammelte er bereits als Kind erste Erfahrungen auf Baustellen. Mit zwölf Jahren absolvierte er sein erstes Praktikum. Seitdem stand für ihn fest: Maurer soll es werden.
Besonders gerne arbeitet der 19-Jährige an Klinkerfassaden. Ihn begeistert, dass aus einzelnen Steinen Schritt für Schritt ein fertiges Gebäude entsteht. „Ich fand es einfach cool zu sehen, was ich erschaffen habe.“
Nach seiner Ausbildung bei der Mittelstädt Baugeschäft GmbH in Himmelpforten geht es für ihn direkt weiter. Schon in wenigen Wochen beginnt die Meisterschule. Langfristig kann er sich gut vorstellen, einen eigenen Betrieb zu führen.
Für Marlon steht fest: Das Bauhandwerk bietet genau die Mischung aus Teamarbeit, Abwechslung und sichtbaren Ergebnissen, die er sich für sein Berufsleben wünscht.
Mika Kindworth: Mit Leidenschaft aufs Dach
Schon früh war für Mika Kindworth klar, dass er Zimmerer werden möchte. Aufgewachsen auf einem landwirtschaftlichen Betrieb war ihm das Arbeiten mit Holz und Maschinen nie fremd. Ein Freund aus der Nachbarschaft brachte ihn schließlich endgültig auf die Idee, eine Ausbildung zum Zimmerer zu beginnen.
Während seiner Ausbildung bei Holzbau Raap GmbH & Co. KG entdeckte er schnell seine Lieblingsaufgabe: Dachstühle richten. „Da macht die Arbeit am meisten Spaß.“ Besonders gefällt ihm die Arbeit im Team und das gute Miteinander auf der Baustelle.
Auch privat engagiert sich Mika. Neben seiner Arbeit ist er Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und im Schützenverein aktiv. Für die Zukunft hält er sich viele Möglichkeiten offen. Zunächst möchte er als Geselle Erfahrungen sammeln. Später kann er sich gut vorstellen, den Meistertitel zu erwerben.
Zabihullah Jafari: Im Handwerk eine neue Heimat gefunden
Vor rund zehn Jahren kam Zabihullah Jafari aus Afghanistan nach Deutschland. Heute hält der 24-Jährige stolz seinen Gesellenbrief als Maurer in den Händen. Nach mehreren beruflichen Stationen empfahl ihm ein Freund schließlich die Ausbildung im Bauhandwerk. Rückblickend war das genau die richtige Entscheidung.
Besonders gerne arbeitet Zabihullah im Bereich Sanierung. Dort gefällt ihm, bestehende Gebäude wieder instand zu setzen und ihnen neues Leben zu geben. Im Arbeitsalltag schätzt er vor allem die Zusammenarbeit im Team.
Für die kommenden Jahre möchte er zunächst möglichst viele praktische Erfahrungen sammeln. Danach kann er sich gut vorstellen, den Meistertitel anzustreben. Sein großer Traum ist es, später ein eigenes Haus zu bauen und mit seiner Familie viele Länder der Welt zu bereisen.
„Ich möchte ein eigenes Haus haben und genug Geld, damit ich reisen kann.“ Mit dem erfolgreichen Abschluss seiner Ausbildung hat er dafür den ersten wichtigen Schritt gemacht.











