Hollern-Twielenfleth, 30. Januar 2026, Gaststätte Hollerner Hof.
Die Metallhandwerks-Innung Stade hat am Freitagabend ihre frisch gebackenen Gesellen feierlich in den Gesellenstand erhoben. Insgesamt 15 Absolventen bestanden ihre Prüfungen und erhielten im festlichen Rahmen ihre Gesellenbriefe. Obermeister Ingo Fischer erinnerte daran, dass die Innung diese Prüfungen seit Jahrzehnten im Ehrenamt organisiert, um „eigene Fachkräfte für die eigenen Betriebe auszubilden“. Die Festansprache hielt Pastor Helge Scholz, der den jungen Gesellen mit deutlichen Worten Verantwortung zusprach: „Wo Metallbauer draufsteht, muss auch Metallbauer drin sein.“ Ein Abend zwischen Stolz, Ernst und einem klaren Blick auf das, was Handwerk heute leisten muss.
Ehrenamt, Verantwortung und der erste Schritt ins Berufsleben
Obermeister Ingo Fischer begrüßte die Absolventen, ihre Familien, Ausbilder, Lehrkräfte und Mitglieder des Prüfungsausschusses. Er machte deutlich, dass die bestandene Gesellenprüfung kein Endpunkt ist, sondern ein Anfang. „Jetzt beginnt der Teil, in dem Verantwortung übernommen wird“, so Fischer. Das Handwerk biete dafür alle Möglichkeiten: im Betrieb, in der Region und weit darüber hinaus.
Fischer sprach offen den zunehmenden Wettbewerb um Fachkräfte an. Große Industriebetriebe zögen viele gut ausgebildete Handwerker an, teilweise mit Konditionen, die kleinere Betriebe vor Herausforderungen stellen. Umso wichtiger sei es, Nachwuchs früh zu binden und Perspektiven aufzuzeigen. Die Zahlen seien eindeutig: Rund 25 Prozent der Inhaber von Handwerksbetrieben seien älter als 60 Jahre. Wer heute den Gesellenbrief in der Hand halte, habe reale Chancen auf Meistertitel, Betriebsübernahmen und Führungsaufgaben.
Ein klarer Appell ging an die jungen Gesellen selbst: sich einzubringen, Wissen weiterzugeben und sich später auch im Ehrenamt zu engagieren, etwa im Prüfungsausschuss. „Sie sprechen die Sprache der nächsten Generation besser als wir“, sagte Fischer.
Eine Rede mit Tiefgang: Warum gutes Handwerk mehr ist als Technik
Die Festansprache von Pastor Helge Scholz hob sich deutlich von klassischen Grußworten ab. Scholz spannte einen großen Bogen von persönlicher Erinnerung über gesellschaftliche Selbstbilder bis hin zur konkreten Verantwortung der Gesellen.
Zu Beginn bat er die Anwesenden um ein stilles Gedenken an einen jungen Menschen, der die Gesellenprüfung nicht mehr erleben konnte. Ein Moment der Ruhe, der den Abend erdete und deutlich machte, dass Erfolg im Handwerk auch Demut braucht.
In seiner Rede stellte Scholz das deutsche Selbstverständnis von Solidität, Verlässlichkeit und Gründlichkeit in den Mittelpunkt. Werte, die derzeit vielerorts infrage gestellt würden. „Ein Zug, der zu spät kommt, ist für uns nicht nur ärgerlich. Er passt nicht zu dem Bild, das wir von uns selbst haben“, sagte Scholz. Genau hier komme dem Handwerk eine besondere Rolle zu.
Für Metallbauer gelte: Es reiche nicht, irgendwie zu arbeiten. Qualität, Präzision und Haltung seien entscheidend. „In Deutschland gehen wir davon aus, dass da, wo Metallbauer draufsteht, auch Metallbauer drin ist.“ Pfusch sei nicht nur ein Fehler, sondern ein Vertrauensbruch.
Scholz machte den Gesellen Mut, diesen Anspruch nicht als Last zu sehen, sondern als Stärke. Ihre Arbeit, sauber, zuverlässig und sichtbar, trage dazu bei, Vertrauen wiederherzustellen. Nicht abstrakt, sondern ganz konkret beim Kunden, auf der Baustelle, in der Werkstatt.
Drei Wege ins Metallhandwerk – drei Haltungen
Domenik Zielinski (21): Vom Umweg zur Berufung
Domenik Zielinski wusste lange nicht, dass es seinen Beruf überhaupt gibt. Nach der Realschule, einem berufsvorbereitenden Jahr an der BBS Stade und verschiedenen Stationen fand er schließlich seinen Platz im Metallhandwerk. Ausschlaggebend war für ihn die Vielfalt des Berufs.
Ausgebildet wurde Domenik bei der Waagen Sander GmbH in Stade, einem Mitgliedsbetrieb der Metallhandwerks-Innung. Dort reicht sein Arbeitsalltag vom hochpräzisen Arbeiten im Labor bis zum Einsatz an tonnenschweren Fahrzeugwaagen. „Es kann sein, dass wir morgens mit Kittel und weißen Handschuhen arbeiten und Gewichte im Milligrammbereich prüfen. Und am nächsten Moment setzen wir 1,25-Tonnen-Gewichte mit dem Stapler“, beschreibt er seinen Beruf.
Besonders wichtig ist ihm, am Ende des Tages ein sichtbares Ergebnis zu haben.
„Ich mag das, wenn ich sehe, was ich geschafft habe.“ Abwechslung, Verantwortung und Kundenkontakt gehören für ihn selbstverständlich dazu. Nach der Freisprechung wird Domenik von seinem Ausbildungsbetrieb übernommen. Für ihn steht fest: „Jetzt gibt es für mich keinen anderen Beruf mehr.“
Langfristig denkt er weiter. In seiner eigenen Zukunft sieht er sich als erfahrener Fachmann, der sein Wissen weitergibt. „Mit 35 sitze ich vielleicht in der Werkstatt und erkläre Azubis, wie es richtig geht.“
Kilian Reimers (20): Kreativität statt Routine
Kilian Reimers ist Metallbauer der Fachrichtung Konstruktionstechnik. Schon früh war für ihn klar, dass er mit Metall arbeiten möchte. KFZ kam für ihn nicht infrage. „Zu viel Elektronik, zu wenig Schweißen“, sagt er. Ihn reizt das Konstruieren, Rechnen und Entwickeln.
Nach einem Berufsgrundbildungsjahr Metalltechnik entschied er sich bewusst für diesen Weg und fand seinen Ausbildungsplatz. Dort arbeitete er im Team an anspruchsvollen Projekten. „Die Spannweite ist groß. Man kann sich kreativ austoben“, beschreibt Kilian seinen Alltag. Auch wenn es Phasen mit wiederkehrenden Arbeiten gibt, bleibe der Beruf insgesamt einzigartig.
Jetzt steht für ihn ein neuer Abschnitt an. Nach der Gesellenprüfung wechselt er den Betrieb, um weitere Erfahrungen zu sammeln. Sein Ziel ist klar formuliert: Meister werden, Verantwortung übernehmen und später ausbilden. „Man muss rechnen können, viel überlegen und im Kopf arbeiten. Wenn man darauf Lust hat, ist das genau der richtige Beruf.“
Tarek Burwieck (19): Metall als Familiengeschichte
Für Tarek ist das Metallhandwerk mehr als eine Ausbildung. Es ist Teil seiner Familiengeschichte. Als vierte Generation im Metallhandwerk, geprägt vom Großvater, einem Schlossermeister, fühlte sich der Weg für ihn von Anfang an richtig an. „Du nimmst das Eisen in die Hand und merkst sofort, das passt“, sagt er. Ihn begeistert, aus einem einfachen Stück Metall etwas Funktionales und Dauerhaftes zu schaffen. „Am Ende des Tages siehst du, was du gebaut hast. Das macht zufrieden.“
Auch privat bleibt er dem Material treu. Schrauben an Autos, eigene Projekte, Arbeiten für Freunde. Holz habe ihn nie wirklich gereizt. „Im Metall kannst du Dinge wieder richten. Das liegt mir einfach.“
Nach der Freisprechung möchte Tarek zunächst als Geselle Erfahrung sammeln. Perspektivisch kann er sich gut vorstellen, Ausbilder zu werden. Sein Blick in die Zukunft ist bodenständig: Familie, eigenes Zuhause, eine Werkstatt und Verantwortung. „Man kann viel selbst bewirken, wenn man es richtig macht.“
Freisprechung mit Tradition und Ausblick
Die Übernahme in den Gesellenstand erfolgte im Anschluss an die Zeugnisübergabe durch Altgeselle Rolf Fricke. Danach klang der Abend bei Essen, Gesprächen und vielen Erinnerungen an die Ausbildungszeit aus.
Die Metallhandwerks-Innung Stade zeigte an diesem Abend, wofür sie steht: für Qualität, Verantwortung und Nachwuchs, der fachlich wie menschlich vorbereitet wird.
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Für die Presse – Quelle: www.moin-handwerk.de











