30. Januar 2026 | Jobelmann-Schule – BBS I Stade
Stade. Am 30. Januar 2026 wurden in der Jobelmann-Schule – BBS I Stade – 35 junge Gesellinnen und Gesellen der Innung für Elektrotechnik Stade offiziell aus dem Lehrverhältnis entlassen und in den Gesellenstand aufgenommen. Obermeister Olaf Roitsch gratulierte den Absolvent:innen zu ihrem Abschluss und betonte: „Das Handwerk hat Zukunft.“ In seiner Festrede machte Schulleiter Oberstudiendirektor Janzen deutlich, warum gerade das Elektrohandwerk langfristig gebraucht wird:
„Gerade die kleinen und mittleren Handwerksbetriebe sind das Rückgrat unserer Wirtschaft.“
Fotos: https://www.christianboldt.com/
Ein Abend für Leistung, Ausdauer und Haltung
Die Lehrabschlussfeier fand im Forum des Neubaus der Jobelmann-Schule statt. Eingeladen waren neben den Absolvent:innen auch Eltern, Familien, Freunde, Ausbilder:innen sowie Vertreter:innen der Ausbildungsbetriebe und des Prüfungsausschusses. Musikalisch begleitet wurde der Abend in einem würdigen, aber bewusst bodenständigen Rahmen.
Nach der Begrüßung durch Obermeister Olaf Roitsch folgte die Entlassung aus dem Lehrverhältnis durch Lehrlingswart Günter Bösch. Mit der Überreichung der Gesellenprüfungszeugnisse wurde sichtbar, was hinter den vergangenen dreieinhalb Jahren steckt: Durchhaltevermögen, fachliches Lernen und persönliches Wachstum.
Die feierliche Übernahme in den Gesellenstand übernahm Altgeselle Ralf Tesmer, bevor der Abend bei einer gemeinsamen Gesellenvesper ausklang.
„Sie sind gewachsen – fachlich und persönlich“
Einen inhaltlichen Schwerpunkt setzte die Festrede von Oberstudiendirektor Janzen, Schulleiter der BBS I Stade. Er sprach den frischgebackenen Gesell:innen ausdrücklich Anerkennung aus:
„Heute ist der Tag, an dem Sie Ihre Gesellenbriefe erhalten – und damit offiziell Teil
des Handwerks werden.“
Besonders deutlich wurde seine Haltung, als er die Bedeutung des Handwerks in einer sich wandelnden Arbeitswelt einordnete:
„Das Handwerk hat Zukunft und wird nicht durch KI ersetzt.“ Gerade das Elektrohandwerk stehe für Verantwortung, technisches Verständnis und Lösungen, die nicht automatisiert entstehen.
Jansen verwies zudem auf Studien zur Arbeitszufriedenheit: Rund 80 Prozent der Handwerker:innen seien mit ihrer Arbeit zufrieden – deutlich mehr als im Durchschnitt anderer Berufe. Gründe dafür seien Sinnhaftigkeit, Wertschätzung, Gemeinschaft und das Arbeiten „mit Kopf, Herz und Hand“.
Sein Appell an die Absolvent:innen war klar: stolz sein auf das Erreichte, den eigenen Weg bewusst wählen und das Gelernte weitergeben. „Sie sind gewachsen – theoretisch, handwerklich und in Ihrer Persönlichkeit.“
Elektrotechnik: anspruchsvoll, vielseitig, zukunftsfest
In kurzen Gesprächen während der Veranstaltung wurde deutlich, was viele der jungen Gesell:innen an ihrem Beruf schätzen: die Abwechslung, das Arbeiten im Team und die Verbindung von Technik und Praxis. „Die Ausbildung hat Spaß gemacht“, war mehrfach zu hören – nicht als Floskel, sondern als nüchterne Bilanz nach einer fordernden Zeit.
Dass sich immer mehr junge Menschen – darunter auch Frauen – bewusst für das Handwerk entscheiden, wurde an diesem Abend ebenfalls sichtbar. Das Elektrohandwerk bietet Perspektiven, Entwicklungsmöglichkeiten und echte Verantwortung.
Dank an Ausbilder:innen und Betriebe
Ein ausdrücklicher Dank galt den Ausbildungsbetrieben, Ausbilder:innen, Lehrer:innen und Mitgliedern der Prüfungsausschüsse. Ohne ihren Einsatz wäre eine qualifizierte duale Ausbildung nicht möglich. Sie begleiten junge Menschen über Jahre hinweg – fachlich, menschlich und oft auch über schwierige Phasen hinweg.
Zwischen Skilehrer, Solartechnik und Selbstständigkeit
Ein Geselle mit Weitblick
Jelle Doose, 24 Jahren, aufgewachsen in Bargstedt, hat bereits mehr erlebt als viele Gleichaltrige. Nach dem Abitur zog es ihn zunächst ins Ausland. Mehrere Jahre arbeitete er als Skilehrer für Kinder in Österreich. Eine intensive Zeit, aber keine mitlangfristiger Perspektive. „Als Norddeutscher ist Saisonarbeit irgendwann einfach schwierig“, sagt er rückblickend.
Zurück in der Heimat stellte sich die klassische Frage: Wie weiter? Ein Studium kam für ihn bewusst nicht infrage. „Auf rein Schule hatte ich keine Lust mehr.“ Was blieb, war die handwerkliche Neigung. Geprägt durch seinen Vater, durch eigenes Schrauben, durch Technik. Der Weg zur Fischer Solar GmbH ergab sich fast logisch. Der Betrieb ist ortsansässig, der Kontakt persönlich, das Thema zukunftsfest. „PV-Anlagen sind ein Berufsfeld, mit dem man langfristig etwas aufbauen kann.“
Die Ausbildung im Elektrohandwerk empfand er als fordernd, aber passend. Parallel übernahm er Verantwortung außerhalb der Baustelle: Als Fitnesstrainer leitete er das betriebseigene Studio. Möglich war das durch klare Strukturen. „Wir arbeiten mit einer 37-Stunden-Woche. So ging das zeittechnisch.“ Zwei lange Tage pro Woche gehörten dazu, aber auch ein Vorteil: finanzielle Unabhängigkeit schon während der Ausbildung.
Seine Zukunft sieht er offen, aber ambitioniert. Zwei Wege stehen im Raum. Entweder die Weiterqualifizierung im Elektrohandwerk, vielleicht über Meister oder Studium mit Fokus auf erneuerbare Energien. Oder die Selbstständigkeit im Fitnessbereich. „Vorerst bleibe ich im Elektrohandwerk und arbeite weiter bei Fischer.“ Langfristig denkt er klar unternehmerisch. „Ich sehe mich in der Selbstständigkeit. Mit eigenem Betrieb, eigenen Leuten und Verantwortung.“
Elektrotechnik beschreibt er nüchtern und treffend: spannend, anspruchsvoll, spaßig. Ein Beruf, der Wissen verlangt und Denken fordert. „Man arbeitet nicht nur mit den Händen, sondern vor allem mit dem Kopf.“ Genau das macht für ihn den Reiz aus.
„Man muss sich als Frau erst beweisen“
Warum sie trotzdem geblieben ist
Catharina Neumann, 22 Jahre, aus Stade, hat ihren Weg ins Elektrohandwerk nicht geradlinig gefunden, aber bewusst. Nach der Realschule absolvierte sie zunächst ein Jahr Berufsfachschule Elektrotechnik. Der Funke sprang damals noch nicht über. Es folgten Einblicke in andere Berufsfelder – Einzelhandel, Fitnessbereich. Erst der Vergleich brachte Klarheit. „Ich habe gemerkt, dass mir Handwerk mehr liegt. Es ist vielfältiger, freier.“
Ihre Ausbildung absolvierte sie bei Freudenberg in Drochtersen. Der Einstieg war nicht leicht. „Als Frau fühlt man sich am Anfang oft allein.“ In der Berufsschule ging das noch, auf Baustellen war es schwieriger. Ernst genommen zu werden, nicht unterschätzt zu werden – das musste sie sich erarbeiten. Aufgeben war für sie keine Option. „Man muss überzeugend sein.“
Heute spricht sie mit Überzeugung über ihren Beruf. Elektrotechnik ist für sie vielfältig, spaßig und vor allem fortschrittlich. „Es ist eines der Handwerke, das technischen Fortschritt am stärksten mitgeht. Man ist oft die Erste, die neue Systeme sieht und verbaut.“ Genau das motiviert sie.
Wenn sie in die Zukunft blickt, ist ihre Antwort klar. „Ich will in dem Beruf bleiben.“ Eine Meisterqualifikation kann sie sich gut vorstellen. Aber ihr Blick geht weiter. Sie will Vorbild sein. „Gerade als Frau ist es wichtig, andere zu ermutigen.“ Für sie zählt am Ende nicht das Geschlecht, sondern die Qualifikation. „Wenn du ausgebildet bist, bist du ausgebildet. Wir können das genauso gut.“
Ihre Haltung ist ruhig, aber eindeutig. Das Elektrohandwerk braucht Fachkräfte. Und es braucht Frauen, die bleiben, sichtbar sind und Verantwortung übernehmen.
Ruhe im Rohbau
Warum Ordnung für ihn alles ist
Fabian Alexander Mönkemeier, 21 Jahre, aus Buxtehude, kam über die Theorie zur Praxis. Nach dem Abitur entschied er sich bewusst für eine handwerkliche Ausbildung. Physik war sein Leistungskurs, Elektrotechnik lag nahe. „Ich fand das spannend.“ Vorkenntnisse hatte er kaum. „Mal eine Steckdose angeschlossen – mehr nicht.“
Was ihn an seinem Beruf fasziniert, überrascht zunächst. Elektrotechnik sei für ihn abwechslungsreich, aber auch beruhigend. „Es hat etwas Meditatives.“ Besonders im Rohbau. Dort, wo andere nur Kabelsalat sehen, sieht er Struktur. „Wenn Leitungen sauber liegen, wenig Kreuzungen da sind und alles logisch aufgebaut ist – das gibt mir innere Ruhe.“
Er liebt das sichtbare Ergebnis. „Man sieht, was man gemacht hat.“ Gerade das Ende eines Arbeitstags, der Blick auf ordentlich verlegte Leitungen, macht für ihn den Unterschied. „Ich liebe Rohbau. Auch wenn viele das schlimm finden.“ Mit Erfahrung und einem guten Betrieb wird aus Chaos Ordnung. „Dann läuft das am Ende rund.“
Kurzfristig bleibt er im Betrieb. Sein Vertrag läuft zunächst weiter. Mittelfristig denkt er offen. Studium, Meister, vielleicht Planung. „Eine Ausbildung öffnet viele Türen.“ Das Handwerk hat ihn überzeugt. „Nach dem Abi war das genau der richtige Schritt.“
Wenn er in die Zukunft blickt, wünscht er sich ein solides Leben. Eigenes Haus, Familie, vielleicht weniger körperliche Arbeit, dafür mehr Planung. „Elektrotechnik gibt einem viele Möglichkeiten.“ Und genau das schätzt er daran.
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Für die Presse – Quelle: www.moin-handwerk.de
Fotos: Christian Boldt











